"Birdman" - das riesige Voglmandl aus der Schweiz

Mensch Meyer! Es ist ein gewaltiger Eindruck, der sich dem Betrachter am Ortsende von Raiding bietet. Vor dem Panorama einer pannonischen Landschaft mit Feldern und Wäldern steht in der Wiesengasse „Birdman“, eine vier Meter hohe permanente Freilandskulptur aus Metall. Mit seinen ausgebreiteten Armen begrüßt das riesige „Mandl“, wie man im Mittelburgenland sagt, die Besucher. Der Vogelmensch bildet zudem einen Gegenpol zum geplanten zweiten Japan-Haus, dem Hara-Haus von Hiroshi Hara, das am anderen Ende des Feldes entstehen soll. Schöpfer des „Birdman“ ist Karl A. Meyer.

 

Was aber führt den Schweizer Künstler nach Raiding? Karl A. Meyer begann seine Karriere im New York der 80er Jahre mit großformatigen Holzdrucken, die auf die Mythologie indianischer Kulturen in Amerika anspielten. Während dieser Zeit lernte er Roland Hagenberg, den Initiator des Raiding Projects, kennen. Meyer schloss sich kurzfristig der East Village Bewegung an, die sich als Alternative zu den etablierten Soho Galerien verstand. Der heute 57-jährige lebt derzeit in Basel und Rio de Janeiro, wo er an Ölbildern, Zeichnungen und Skulpturen arbeitet. In den letzten Jahren sind unter anderem 15.000 Figuren aus ungebranntem Ton entstanden, die meisten nur wenige Zentimeter gross. In unterschiedlichen Formationen aufgestellt, erinnern sie ihn an „Menschenwolken“ und deshalb trägt die Werksgruppe auch diesen Namen. Einen Teil der „Menschenwolke“ hat die Raiding Foundation 2013 schräg gegenüber von Terunobu Fujimoris „Storchenhaus“ als Teil einer Ausstellung mit dem japanischen Architekten Hiroshi Hara gezeigt. Man konnte die Figuren rund um die Uhr betrachten, von der Straße her durch die Gucklöcher in der Hauswand. Die zwei kleinen Spähfenster aus Metall und Glas hat Michael Landauer aus Raiding angefertigt.

www.karlmeyer.ch
www.cloudofhumanity.com

Buchtipp: Hiroshi Hara und Karl. A. Meyer, Entwürfe, Zeichnungen, Skulpturen. Roland Hagenberg, Raiding Foundation
„Wir leben in einer zweischichtigen Welt“, sagt der japanische Stararchitekt Hiroshi Hara. „Oben Globalismus und Kapitalismus. Unten Lokalismus, Humanismus. Dazwischen die Architektur als Bindemittel.“ Hara – bekannt für megalomanische Bauten wie die Kyoto Station, das Sapporo Stadion und die Shin Umeda Zwillingswolkenkratzer in Osaka – errichtet nun in Raiding, dem Geburtsort von Franz Liszt, ein experimentelles Mikrohaus sowie zwei Raststationen. Das Projekt hat Roland Hagenberg initiiert. Und darum geht es in diesem Büchlein – sowie um Karl A. Meyer. Der Schweizer Künstler errichtet in der Nähe des Hara Hauses eine hohe Freilandskulptur. Dafür hat er sich gründlich (wie das Eidgenossen so machen) vorbereitet: mit 15,000 Miniaturmmodellen aus Ton.
Deutsch, 48 Seiten, Softcover. Erhältlich bei der Raiding Foundation www.raidingfoundation.org
 

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