Die Burgruine Landsee. Durch den ORF im Mittelpunkt Österreichs

Aus aktuellem Anlass - der ORF sucht den besten der 9 Schätze Österreichs - können Sie hier eine Beschreibung des Burgenland-Hotspots lesen. Verfasst von Hans Tesch für seinen "Reiseführer Mittelburgenland". 

Wie das unbezwingbare Landsee zur Ruine wurde.

Ein Streifzug durch das Gelände und die Geschichte einer der größten Burgruinen Europas. Und ein Blick vom Landseer Bergfried, der lohnendsten Aussichtsplattform des Burgenlandes. 

Stolz und mächtig präsentiert sie sich auch noch heute, als Ruine. Als Bollwerk, wie ehedem, thront sie auf einer Bergspitze nahe der Grenze zu Niederösterreich, weithin sichtbar für die Bewohner von Deutschkreutz bis Lutzmannsburg. Wer dann den Weg zum ersten Burgtor sucht, der bleibt beeindruckt. (Die Bedeutung der Dimension weicht jetzt aber der Gewissheit der Jahrhunderte.) Jetzt zählt aber nicht nur die Dimension allein, es wirken die Jahrhunderte Vergangenheit.

Eine lang gezogene, dünnwandige und niedrig wirkende Mauer umrundet heute die Ruine Landsee. „1668“ steht über dem äußersten Burgtor. Diese Zahl steht nicht als Baujahr für die gesamte Anlage, sie beziffert nur eine späte Bauphase, in der dieses Eingangsportal nachträglich errichtet worden ist. Der Charakter der mittelalterlichen Bastion wird nach Betreten des Geländes auf den nächsten Metern sichtbar. Tiefe Gräben und dazwischen ein breiter Erdwall. Die zweite und dritte Ringmauer. Das zweite und dritte Burgtor, gesichert mit ausladenden Kettenbrücken. Und oft ist es so steil, dass die Erbauer auf eine zusätzliche Mauer verzichten.

Zerstörte Wendeltreppen, beschädigte Schießscharten, eine Zisterne, angefüllt mit Schutt. Dem Interessierten wird geholfen. Alle markanten Bereiche der Burgruine werden auf Informationstafeln beschrieben. Angekommen im unteren Burghof, spürt man erstmals die Weitläufigkeit der Anlage. Und allgegenwärtig werden die Spuren von Verwitterung und Verwüstung. Der Glockenturm ist nur noch teilweise erhalten. Doch gerade hier beginnt das neue Leben in der Ruine. Eine befestigte Bühne, ein Catering-Bereich, Sanitäranlagen. Alles Investitionen des ehrenamtlich geführten Verschönerungsvereines, der die Ruine von der Domäne Esterházy gepachtet hat, für Konzerte und Festlichkeiten.

Das Gelände steigt weiter an bis zum vierten Burgtor, das einst auch mit Graben und Wehrbrücke geschützt war. Hier betreten Sie den oberen Burghof. Das Schild „Betreten verboten“ wäre nicht notwendig. So bedrohlich sehen die fragilen Mauerreste des „Neuen Schlosses“ aus. Bäume, Gestrüpp und Brennessel siedeln in der später dazu gebauten, einstmals stolzen, barocken Wohnanlage mit turmloser Kapelle. Nirgendwo können sie so nah einer Ruine zusehen, wie sie verwildert.

Durch das fünfte Burgtor kommen Sie ins Zentrum der ehemaligen Trutzburg. Über Stufen – früher war hier eine hölzerne Hebekonstruktion – betreten Sie die Hochburg, den Donjon. Das ist der älteste Teil der Burganlage. Ein fünfeckiges Bollwerk, die Mauern auf der gefährdeten Seite 8 bis 10 Meter stark. Im Innern – bei 20 Metern Durchmesser – und außen angebaut findet sich das, was den Kern der Burg ausmacht: eine zweigeschossige Küche mit offener Feuerstelle, mittelalterliche Wohngemächer, der zentrale Burghof mit Zisterne, die Kapelle, der Treppenturm und „Abtritterker“ als die historischen WC-Anlagen. Vier Geschoße zeichnen den Donjon aus. Über 115 Stufen einer neu angelegten Wendeltreppe gelangen sie auf die oberste Plattform, den besten Aussichtspunkt des Burgenlandes. Von hier aus können sie einen traumhaften Sonnenaufgang beobachten, mit Blick auf den Südzipfel des Neusiedler Sees. Genießen sie von hier den Panorama-Blick der Extraklasse. Ein grandioser Weitblick. Richtung Ödenburger Gebirge ebenso wie nach Westen in die Bucklige Welt. Ein überragendes Gefühl stellt sich ein, geradeso wie in den Bergen. Die niedlichen Dächer von Landsee. Der aufmuckende Kirchturm von Lackendorf. Die blitzenden Windräder von Deutschkreutz. Alles in anderer Dimension. Das Ödenburger Gebirge im Norden, das Landseer Gebirge im Westen, das Bernsteiner und Günser Gebirge im Süden. Die Öffnung hin zum Osten. Die Urlaubsregion aus der Vogelperspektive. Allein der imposante Ausblick von hier lohnt den Besuch der Ruine. Und der bröckelnde Mauerbogen auf der Plattform erinnert daran, dass früher die Aussicht noch besser war, der Wehrturm noch höher war.

Was aber hat das Schicksal der Festung Landsee besiegelt? Ein Blick zurück zeigt die wechselvolle Geschichte. 1158 gab es eine erste Erwähnung im Traditionsbuche des Stiftes Göttweig, auf die die 850-Jahr-Feiern Bezug nehmen. Eine Burg dürfte kurz zuvor errichtet worden sein. Die Landseer, de Landesehre, waren vermutlich eine Nebenlinie der steirischen Stubenberger. Es ist unsicher, ob und wo diese Burg als Vorläufer der jetztigen Ruine anzusehen ist. Der Kern der jetzigen Festung, der Donjon, dürfte um 1400 errichtet worden sein. Der Ausbau und die Erweiterung der Burg erfolgten in den drei darauf folgenden Jahrhunderten. Die Liste der Eigentümer oder Besitzer liest sich wie ein „Who is Who“ der K- und K-Zeit: die Burg Landsee gehörte den Grafen von Mattersdorf-Forchtenstein, dem österreichischen Kaiser, dem ungarischen König, einem ungarischen Erzbischof, einer Grafenwitwe, die eingekerkert wurde, einem Grafen, der von den Türken hingerichtet wurde und dem mächtigsten Magnaten-Geschlecht Ungarns. Landsee war mächtig. Landsee hatte die Blutgerichtsbarkeit inne. Landsee war Fluchtburg. Landsee war begehrt. Der Todesstoß kam aber nicht von mächtigen Feinden. Landsee ist nie erobert worden. Auch nicht von den Türken, die 1529 und 1683 gegen Wien gezogen waren. Entscheidend für den Verfall war letztlich die Strategie der Familie Esterházy, die 1612 durch Heirat in den Besitz der Festung kam. Nikolaus Esterházy hat sich auf den Ausbau von Schloss Lackenbach konzentriert. Aus organisatorischen Gründen wurde die Verwaltung der Herrschaft Landsee-Lackenbach von Landsee weg verlagert. Und Paul Esterházy hat seine Zukunft auf Burg Forchtenstein gesehen. Dann ereigneten sich ein Brand 1707 und eine vernichtende Feuersbrunst 1790, bei der zum Löschen das Wasser fehlte und der Mut, aus Angst, der Pulverturm könnte explodieren. Schon nach dem ersten Brand wurde in Landsee kaum noch investiert. Die Anlage begann zu verfallen. Die uneinnehmbare Festung ist Ruine geworden.

Für Hans Tesch, den Autor, ist die Ruine ein Top-Ausflugsziel für jede Jahres- und Tageszeit.

TIPP: Die Ruine kann auch im Spätherbst und im Winter aufgesucht werden. Ohne Eintrittsgebühren. Der Donjon, der Aussichtsturm, ist versperrt.

TIPP: Die Ruine nicht nur begehen, sondern auch umwandern. Ein Rundgang im ersten, tiefen Graben ist beeindruckend.

Burgruine Landsee. Öffnungszeiten: Ostern bis Ende Oktober, täglich von 9 bis 18 Uhr. Führungen nach Voranmeldung unter 0664/7981316 (Elisabeth Schütz). Spezialführungen für Vorschulgruppen und Schüler möglich. Die Burgruine kann, zur Gänze oder ein bestimmter Bereich, auch für Veranstaltungen oder fürs Kampieren gemietet werden.

Quellen/Literatur:

Dehio Burgenland, Verlag Anton Schroll, Wien, 1980;

Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Oberpullendorf, Verlag Berger, Horn, 2005.

www.landseeaktiv.at Der Verschönerungsverein Landsee bietet Informationen, Öffnungszeiten und aktuelle Telefonnummern zur Ruine und zu den Aktivitäten in der Ruine.

www.burgen-austria.com Kompakte und detaillierte Informationen über Burgen und Schlösser, mit Lexikon und Archiv

 

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