Das Kultobjekt von Haschendorf. Der europäische Sensationsfund.

Es gilt unter Archäologen als Sensationsfund in Europa – und doch ist es nach wie vor ein Geheimtipp: das Kultobjekt von Haschendorf. Wo vor Christi Geburt Orakel verkündet wurden.

Vor gut 100 Jahren, 1914, hat ein Bauer aus Haschendorf bei Grabungsarbeiten außerhalb des Ortes einen verzierten Metallring gefunden. Rund einen halben Meter im Durchmesser und etwa fünf Kilogramm schwer. Ein Sensationsfund, wie sich herausstellen sollte. Das Original ist im Soproni Muzeum in Ödenburg zu besichtigen. An der Fundstelle in Haschendorf, nahe des alten Handelsweges von der Adria zur Ostsee und der römischen Bernsteinstraße, ist seit 2001 eine exakte Nachbildung zu bewundern.

Der langjährige Chef-Archäologe des Burgenlandes, Dr. Karl Kaus, zählt das Bronze-Objekt in Haschendorf zu den bedeutendsten archäologischen Funden in ganz Europa. Der runde, mehrteilig gegossene Gegenstand ist rund 2.800 Jahre alt. Über die Funktion und Verwendung herrscht nach wie vor Unklarheit. Die Forscher sprechen von einem mysteriösen Objekt. Die Metallrotunde könnte Teil einer Trommel gewesen sein, ein Gerät für den Sonnen- oder Fruchtbarkeitskult, eine Hängeurne, ein Beschlag für ein Holzgefäß, eine Verkleidung für einen Holzhocker, ein Prachtgefäß oder ein thronartiger Sitz. Karl Kaus geht davon aus, dass der gefundene Bronzegegenstand ursprünglich „ die schmückende Verkleidung für einen Opferaltar oder Thronsessel war, von dem vermutlich ein Fürst Recht gesprochen oder ein Priester Weissagungen verkündet hatte.“ Ein Heiligtum für einen alten Sonnenkult, vielleicht verbunden mit einem Orakel. Die Annahme fußt auf die bei alten Apollotempeln gefundenen ähnlichen Objekten in Italien, auf Zypern und in Griechenland. Für Verwunderung in der Fachwelt hat auch gesorgt, dass ein ganz gleich gefertigter Bronzegegenstand nahe Stockholm in Schweden gefunden wurde. Dass der Haschendorfer Bronzegegenstand ein Kultgerät gewesen sein dürfte, darauf deuten auch die Ergebnisse von Grabungsarbeiten der Soproner Archäologen hin. Sie haben festgestellt, dass das Gerät in einem Schacht von zwei Metern Tiefe deponiert wurde. Es wurde also – nach relativ langem Gebrauch – nicht weiter verwendet oder eingeschmolzen, sondern im zweiten oder dritten Jahrhundert vor Christus gezielt verborgen, was für die Kupfer- und Bronzezeit bei Kultgegenständen üblich war. Ein Muss für jeden historisch Interessierten.

So kommen Sie hin: Straße zwischen Horitschon und Unterpetersdorf. Abzweigung Richtung Haschendorf. Durch das Dorf, beim Feuerwehrhaus rechts abbiegen Richtung Friedhof. Um den Friedhof links herum.

Der Platz rund um das Kultobjekt ist nicht nur ein historischer Ort, sondern auch ein idyllisches Platzerl zum Ausrasten. Auf der Bank sitzend haben Sie das Kultobjekt vor sich, im Hintergrund die endlosen Weingartenreihen bis hinauf zum Hang des Ödenburger Gebirges. Am Horizont erinnert der von den Ungarn gekaufte ehemalige Grenzwachturm an den streng bewachten „Eisernen Vorhang“. In unmittelbarer Nähe des Kultobjektes befindet sich die Statue zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit – und mit ein paar Schritten gelangen Sie zu zwei Tischen mit Bänken, die für ein Picknick bereitstehen.

Einkehr-Tipps in der Umgebung: Gasthof „Zur Traube“ in Neckenmarkt; Kirchenwirt Heinrich in Deutschkreutz, Schnitzelwirt Posch in Deutschkreutz, Gasthaus Huszar zur Krone in Deutschkreutz, Gasthaus Trummer in Horitschon, Wirtshaus zum Roznyak in Lackendorf oder Heurige, die gerade geöffnet haben.

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