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Ausflugstipps Mittelburgenland PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Mag. Hans Tesch   
Samstag, 03. Mai 2008 um 10:01

Das Mittelburgenland hat viel zu bieten. Bekanntes und Unbekanntes, Exklusives und Mystisches. Entdecken Sie mit mir ein interessantes Stück Österreich. Viel Spaß dabei! Hans Tesch

AUSFLUGSTIPP 1: BESUCH AUF DEM VULKAN PAULIBERG

Ein Spektakel muss es gewesen sein, vor Millionen Jahren am Pauliberg. Die Erde bebt, der Boden reißt auf und der Berg speit Feuer. Die 900 bis 1.000 Grad heiße Lava schießt heraus und ergießt sich über die kleinen Kuppen und Hänge. Nicht einmal das harte Urgestein, ob Gneis, Schiefer oder Quarzit, hat dem Druck des Magmas aus dem Erdinneren standgehalten. Der Vulkanologe Walter Eppensteiner präzisiert die Eruptionen bei Landsee: „Es hat sich nicht ein großes Loch geöffnet, ein einziger Krater, sondern es haben sich Erdspalten aufgetan, hundert und mehr Meter lang. Durch diese ist die dünnflüssige, basaltische Lava ausgetreten.“ Er und seine Kollegen sind sich auch sicher, dass es nicht ein einzelner Ausbruch war. „Es hat mehrere Eruptionen gegeben, an zumindest fünf verschiedenen Stellen, in hintereinander liegenden Phasen. Die Lavamassen haben sich vereinigt oder einander überlagert, sodass eine geschlossene Lavadecke entstanden ist“, fasst Eppensteiner die radiometrischen Messungen der Wissenschaftler zusammen. Und wann war das? „Der letzte Vulkanausbruch am Pauliberg liegt wahrscheinlich 11,2 bis 10,5 Millionen Jahre zurück.“
Die Folge: Vulkanischer Basalt bedeckt ein rund 80 Hektar großes geschlossenes Gebiet am Pauliberg bei Landsee. Das Basaltgestein findet sich entlang eines etwa zwei Kilometer langen und 400 Meter breiten Bergrückens zwischen 755 und 450 Metern Seehöhe. Im Durchschnitt ist die Basaltschicht 40 bis 50 Meter dick, an vielen Stellen mehr als 60 Meter. Die Lavadecke, wie sie sich heute präsentiert, war früher einmal dicker. Von der Oberfläche sind einige Meter des Basalts weggewittert, in 10 Millionen Jahren. Auch wenn der Pauliberg nicht von den Gletschermassen der Eiszeit bedeckt war.

Der Vulkan präsentiert sich heute als bewaldetes Plateau nördlich von Landsee, am Übergang von den Ausläufern der Alpen zur pannonischen Tiefebene. Am besten zu besichtigen ist das erloschene Vulkanfeld im Steinbruch, in dem seit mehr als 50 Jahren Basalt abgebaut wird. Das Basaltwerk Pauliberg gehört zu zwei Dritteln dem Land Burgenland, der Grund und Boden befindet sich im Eigentum der Domäne Esterházy. Über die Trasse des Steinbruchs gelangen Sie direkt in das Innere der Basaltschicht. An den hohen vertikalen Wänden sehen Sie, wie vielfältig das Basaltgestein sein kann. Kompakt, dicht und „klassisch“ schwarz ohne Hohlräume bis rotfarbig und hochporös.
Eine auffällige Besonderheit sind die vielen gesammelten und auch noch im wilden Gelände auffindbaren großen Basaltkugeln, fälschlich als „vulkanische Basaltbomben“ bezeichnet. „Die Kugeln, die von ein paar Hundert bis zu 19.000 Kilogramm schwer sind, sind unter der Erdoberfläche entstanden. Durch konzentrische Verwitterung sind die Gesteinsbrocken ‚zugerundet’ und durch spätere Erosion, durch Abtragung des Umgebungsmaterials, freigelegt worden“, beschreibt der Vulkanexperte Walter Eppensteiner die Entstehungsgeschichte dieser als Dekorsteine verwendeten Basaltkugeln.

TIPP: MIT FÜHRUNG DEN VULKAN ERKUNDEN
An Arbeitstagen ist wegen des Betriebes im Steinbruch das Betreten des Geländes verboten – und wegen der Lkw, Bagger und Radlader sowie der monatlichen Sprengungen auch tatsächlich sehr gefährlich. Für Gruppen sind auf Anfrage aber Führungen möglich. Und diese sind gratis. Franz Gradwohl oder ein anderer Bediensteter des Basaltwerkes Pauliberg zeigt im Rahmen eines halbstündigen Rundganges die Besonderheiten rund um das Vulkangestein. Tel.: 02618/688 88 oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. .

TIPP: VULKAN-XPEDITION AUF EIGENE FAUST
An Feiertagen und Wochenenden ist das Betreten auf eigene Gefahr möglich. Das Gelände ist zugänglich. Sie verzichten zwar auf die interessanten Ausführungen des Werksangestellten, doch Sie können – umgeben von Vulkangestein und riesigen Abbruchhalden – eine fast schon gespenstische Ruhe einfangen. Der Blick nach Osten, in die pannonische Tiefebene, bis hin zum ungarischen Plattensee hängt ohnehin nur vom Wetter ab.

TIPP: WANDERUNG AUF UND RUND UM DEN VULKAN
Im Naturpark Landseer Berge gibt es interessante Wanderstrecken, dort, wo vor 10 Millionen Jahren die Lavaströme geflossen sind. Wer abseits der Wanderwege mit offenen Augen durch das Gelände streift, wird auf vulkanische, schwarze Gesteinsbrocken stoßen, von Faust- bis Menschengröße. Und die Basalthöhle, die „Vierlöcherhöhle“, in einer Lavazunge entdecken. Experten haben sogar Fossilien gefunden, Basaltsteine mit Einschlüssen von Insekten, Stein gewordene Zeugen uralten Lebens. Mitten im Ort Landsee befindet sich das Steinmuseum, ein Freilichtmuseum, in dem verschiedene Gesteinsarten miteinander verglichen werden können.

SO KOMMEN SIE HIN:
Auf der Straße zwischen Landsee und Wiesmath (NÖ) biegen Sie – beim Wegweiser – Richtung Basaltwerk Pauliberg ab.

Quellen/Literatur: Interview Univ.-Doz. Dr. Walter Eppensteiner, 1140 Wien • Walter Eppensteiner, Vulkanite im Burgenland, Archiv für Lagerstättenforschung der Geologischen Bundesanstalt, Band 25, Wien, 2006 • Hanns Schmid, Das Basaltgebiet des Pauliberges bei Landsee im mittleren Burgenland, Burgenländische Heimatblätter, Jg. 37, Heft 1, 1975

 

AUSFLUGSTIPP 2: DAS KULTOBJEKT VON HASCHENDORF

Vor fast 100 Jahren, 1914, hat ein Bauer aus Haschendorf bei Grabungsarbeiten außerhalb des Ortes einen verzierten Metallring gefunden. Rund einen halben Meter im Durchmesser und etwa fünf Kilogramm schwer. Ein Sensationsfund, wie sich herausstellen sollte. Das Original ist im Soproni Muzeum in Ödenburg zu besichtigen. An der Fundstelle in Haschendorf, nahe des alten Handelsweges von der Adria zur Ostsee und der römischen Bernsteinstraße, ist seit 2001 eine exakte Nachbildung zu bewundern.

Der langjährige Chef-Archäologe des Burgenlandes, Dr. Karl Kaus, zählt das Bronze-Objekt in Haschendorf zu den bedeutendsten archäologischen Funden in ganz Europa. Der runde, mehrteilig gegossene Gegenstand ist rund 2.800 Jahre alt. Über die Funktion und Verwendung herrscht nach wie vor Unklarheit. Die Forscher sprechen von einem mysteriösen Objekt. Die Metallrotunde könnte Teil einer Trommel gewesen sein, ein Gerät für den Sonnen- oder Fruchtbarkeitskult, eine Hängeurne, ein Beschlag für ein Holzgefäß, eine Verkleidung für einen Holzhocker, ein Prachtgefäß oder ein thronartiger Sitz. Karl Kaus geht davon aus, dass der gefundene Bronzegegenstand ursprünglich „die schmückende Verkleidung für einen Opferaltar oder Thronsessel war, von dem vermutlich ein Fürst Recht gesprochen oder ein Priester Weissagungen verkündet hatte“. Ein Heiligtum für einen alten Sonnenkult, vielleicht verbunden mit einem Orakel. Die Annahme fußt auf bei alten Apollotempeln gefundenen ähnlichen Objekten in Italien, auf Zypern und in Griechenland. Für Verwunderung in der Fachwelt hat auch gesorgt, dass ein ganz gleich gefertigter Bronzegegenstand nahe Stockholm in Schweden gefunden wurde. Dass der Haschendorfer Bronzegegenstand ein Kultgerät gewesen sein dürfte, darauf deuten auch die Ergebnisse von Grabungsarbeiten der Soproner Archäologen hin. Sie haben festgestellt, dass das Gerät in einem Schacht von zwei Metern Tiefe deponiert wurde. Es wurde also – nach relativ langem Gebrauch – nicht weiterverwendet oder eingeschmolzen, sondern im zweiten oder dritten Jahrhundert vor Christus gezielt verborgen, was für die Kupfer- und Bronzezeit bei Kultgegenständen üblich war. Ein Muss für jeden historisch Interessierten.

TIPP
Nicht nur ein historischer Ort, sondern auch ein idyllisches Platzerl zum Ausrasten. Auf der Bank sitzend, haben Sie das Kultobjekt vor sich, im Hintergrund die endlosen Weingartenreihen bis hinauf zum Hang des Ödenburger Gebirges. Am Horizont erinnert der von den Ungarn gekaufte ehemalige Grenzwachturm an den streng bewachten „Eisernen Vorhang“. In unmittelbarer Nähe des Kultobjektes befindet sich die Statue zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit – und mit ein paar Schritten gelangen Sie zu zwei Tischen mit Bänken, die für ein Picknick bereitstehen.

SO KOMMEN SIE HIN:

Straße zwischen Horitschon und Unterpetersdorf. Abzweigung Richtung Haschendorf, mit Hinweisschild. Durch das Dorf, dann rechts abbiegen Richtung Friedhof. Um den Friedhof links herum.

Quellen/Literatur: Radwanderkarte, Römische Bernsteinstraße Mittelburgenland. Hrsg.: Verein zur Erhaltung der Römischen Bernsteinstraße, Text: Dr. Karl Kaus, Druck Klampfer/Weiz, 2002 • www.borg-op.asn-bgld.ac.at/haschendorf/ Projekt-Site des Gymnasiums Oberpullendorf • Info-Tafel neben dem Kultgerät in Haschendorf

 

AUSFLUGSTIPP 3: DIE RÖMISCHE BERNSTEINSTRASSE

Der bedeutende Militär- und Handelsweg der Römer zwischen der Adria und der Donau führte durch das Gebiet des heutigen Mittelburgenlandes. Als Verbindung zwischen den beiden ungarischen Städten Szombathely/Steinamanger/Savaria und Sopron/Ödenburg/Scarabantia. Der Trassenverlauf ist durch Ausgrabungen und durch Luftbilder genau bekannt. Das Straßenstück im Mittelburgenland ist 24 Kilometer lang. Es beginnt an der Grenze bei Frankenau und führt ganz gerade in nordnordwestlicher Richtung bis Raiding, dann in nordöstlicher Richtung bis zur ungarischen Grenze bei Neckenmarkt. Streckenweise ist die historische Straße in der ursprünglichen Dimension erhalten, am besten in einem Waldstück östlich von Großmutschen. Dort wurde die Trasse nämlich nach der Antike nicht mehr benützt. Die Römerstraße ist im Burgenland nicht mit Steinen gepflastert worden, sondern nur aufgeschottert oder gar nur aus Erde aufgeschüttet, wobei man hier der Erde Kalkstaub beigemengt hat und dadurch große Festigkeit erzielen konnte.

Es fällt auf, dass die Bernsteinstraße schnurgerade verläuft und gelegentlich einen Knick macht, die heute üblichen, lang gezogenen Kurven gibt es nicht. Errichtet wurde die Handelsstraße von den Römern in den fünf Jahrzehnten um Christi Geburt, nachdem sie Pannonien besetzt hatten. Angelegt ist sie auf einer bestehenden Trasse, die schon 2.000 Jahre früher benutzt worden ist. Der Name kommt von einer besonderen Verwendung der Straße. Von der Ostsee wurden unter anderem große Mengen des fossilen Harzes Bernstein – begehrt als Material für Modeschmuck und als Heilmittel – nach Rom transportiert.

TIPP
Sie können die gesamte Bernsteinstraße erwandern oder mit dem Fahrrad kennenlernen. Wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind oder weniger Zeit haben, schauen Sie sich unbedingt den kurzen Teil der Straße im Wald bei Großmutschen an, der unter Denkmalschutz steht. Kompakte Schaupulte, die der „Verein zur Erhaltung der römischen Bernsteinstraße“ aufgestellt hat, bieten an verschiedenen Stellen der Strecke Informationen über Bernstein, das Leben der Römer, die damalige Zeit und die Bernsteinstraße.

SO KOMMEN SIE HIN:
Sie können die Bernsteinstraße an vielen Stellen aufsuchen. Besorgen Sie sich die informative Radwanderkarte und steuern Sie ein Informationspult an. Das besterhaltene Trassenstück liegt im Wald bei Großmutschen. Auf die Zufahrt weisen in Großmutschen und im Nachbarort Strebersdorf Schilder hin. Zur Trasse selbst müssen Sie ein paar hundert Meter gehen.

Quellen/Literatur: Radwanderkarte, Römische Bernsteinstraße Mittelburgenland. Hrsg.: Verein zur Erhaltung der Römischen Bernsteinstraße, Text: Dr. Karl Kaus, Druck Klampfer/Weiz, 2002 •
www.borg-op.asn-bgld.ac.at/RoemischeBernsteinstrasse/ Schulprojekt-Site des Gymnasiums Oberpullendorf, in Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum und Dr. Karl Kaus sowie dem Verein zur Erhaltung der Römischen Bernsteinstraße


AUSFLUGSTIPP 4: DIE PINGENFELDER VON UNTERPULLENDORF

Das Burgenland gehört zu den ältesten besiedelten Gebieten Österreichs. Seit der Jungsteinzeit, seit rund 8.000 Jahren, leben hier Menschen – vor allem von Ackerbau und Viehzucht. Das Burgenland, speziell das Mittelburgenland, hat aber auch eine nennenswerte industrielle Vergangenheit. Sie reicht mehr als 2.000 Jahre zurück, in die jüngere Eisenzeit, und umfasst die knapp 500 Jahre vor Christi Geburt. Damals wurde hier von den Kelten in großem Umfang Eisenerz gewonnen. Zentrum war das heute bewaldete Gebiet östlich von Oberpullendorf zwischen Großmutschen, Großwarasdorf und Raiding. Möglich wurde der Bergbau durch das sogenannte Raseneisenerz, das in Klumpenform an der Erdoberfläche oder knapp darunter lag. Gewonnen wurde das Erz mit einem einfachen, aber effizienten Verfahren im Rennofen, einem Schacht aus Lehm. Mit einem Holzkohlenfeuer wurde die Hitze erzeugt, die das Roherz zum Schmelzen brachte. Die nicht erzhaltigen Teile wurden flüssig, rannen zu Boden – daher der Name Rennofen – und blieben als Schlacke im Ofen, die Eisenmasse wurde aus dem Ofen genommen. Aus einem Kubikmeter Material konnten beim fast den ganzen Tag dauernden Schmelzvorgang 40 Kilogramm Toneisenstein gewonnen werden. Und daraus wiederum maximal 10 Kilogramm schmiedbares Eisen. Der Rest blieb als Rückstand. Schlacken und die Reste der zerstörten Schmelzöfen finden sich heute noch als unverrottbarer „Sondermüll“ auf vielen Feldern der Region. Aber auch andere Spuren dieses Bergbaues sind heute noch sichtbar. Der unermüdliche Hobby-Archäologe Josef Polatschek aus Oberpullendorf hat 20.000 Pingen, aus denen das Rohmaterial ausgegraben wurde, und 1.200 Eisenschlackenplätze gezählt. Die Pingen sind unterschiedlich groß, einige seicht, einige bis zu fünf Meter tief, im Durchmesser zwischen zwei und 20 Meter. Alles sichtbare – und besichtigbare – Zeichen, die darauf hinweisen, dass das hier gewonnene Eisen gefragt war. Das in der Antike berühmte „Ferrum Noricum“ dürfte das Eisenerz aus dem mittleren Burgenland gewesen sein. Das erste Exportprodukt des Burgenlandes – für die römische Rüstungsindustrie.

TIPP
Bewegen Sie sich durch das Pingenfeld im Zerwald in Unterpullendorf. Die mehr als 200 Grubentrichter sind ein anschauliches Beispiel ür die blühende Eisenindustrie vor mehr als 2.000 Jahren. Eine Schautafel hilft mit Informationen weiter.

SO KOMMEN SIE HIN:
Straße zwischen Unterpullendorf und Frankenau. Abzweigen beim Schild „Pingenfeld“.

Quellen/Literatur: Mag. Sigrid Strohschneider-Laue: Wanderbare Eisenzeit im Burgenland, aus: www.seniorenarchaeologie.at • www.borg-op.asn-bgld.ac.at/RoemischeBernsteinstrasse/eisenindustrie_bezirk_oberpullendorf.htm Cyberschool-Projekt des Gymnasiums Oberpullendorf (Leitung Mag. Oswald Gruber) gemeinsam mit dem Burgenländischen Landesmuseum (Dr. Karl Kaus)

 

AUSFLUGSTIPP 5: DAS FRÜHMITTELALTERDORF IN UNTERRABNITZ

Am Waldrand in einer anderen Zeit. Eingesäumt von zwei Meter hohen, gespitzten Pfählen, präsentiert sich ein kleines bäuerliches Gehöft. Grubenhäuser, original rekonstruiert mit Holznägeln und Schindeln, wie sie damals gefertigt worden sind. Ein Blockhaus aus Rundstämmen, innen ein gestampfter Lehmboden. Ein Wohnhaus mit Feuerstelle und Schlafplatz. Und ein an den Hügel angelehnter Keramikbrennofen. Daneben plätschert ein kleines Bächlein dahin. Hier, außerhalb der kleinen Gemeinde Unterrabnitz, wird vorstellbar – und an bestimmten Wochenenden auch lebendig –, wie sich das Alltagsleben vor mehr als 1.000 Jahren zugetragen hat.
Das Frühmittelalter bezeichnet die Zeitspanne von 500 bis 1.000 Jahre nach Christi Geburt, die Zeit zwischen den Kelten und dem Mittelalter, die Zeit, in der sich nach dem Fall des Römischen Reiches das Europa der Völker gebildet hat. Das Frühmittelalter beginnt mit dem Ende der Völkerwanderung. Es war die Zeit, in der die Grundherren ihre Gebiete verteidigen mussten und so die Feudalherrschaft begründet haben. Die Naturalwirtschaft war vorherrschend.
Der Bau des Frühmittelalter-Dorfes wurde vom Unterrabnitzer Bürgermeister Wilhelm Heißenberger angeregt – und er hat auch tatkräftig mitgeholfen. Grabungsfunde in der Umgebung haben den Ausschlag gegeben, dieses Stück Vergangenheit wieder aufleben zu lassen: „Die Begeisterung für dieses Experiment war wichtig. Doch ohne die öffentlichen Förderungen wäre es nicht gelungen. Vor allem die EU-Mittel über das LeaderPlus-Projekt haben aus der Idee ein kleines touristisches Kleinod gemacht“, schwärmt Heißenberger. Der Start ist getan und sehenswert.
Die ersten typischen Behausungen, ein Backofen und ein Keramikbrennofen stehen schon. Die Wissenschaftler vom Vienna Institute for Archaeological Science beraten den örtlichen Freilichtmuseumsverein und beleben an den Aktionswochenenden das Umfeld mit Demonstrationen alter Handwerkstechniken und mit informativen Führungen. Künftig soll an ausgewählten Wochenenden Besuchern gezeigt werden, wie im Frühmittelalter ein Haus gebaut, Eisenwerkzeug hergestellt, Wolle versponnen oder Fladenbrot gebacken wurde.

TIPP
Das kleine Freigelände ist jederzeit begehbar. Niemand hindert Sie am Betreten und Bestaunen der rekonstruierten Häuser. Halten Sie Rast und sammeln Sie Eindrücke. Erkundigen Sie sich, an welchen Wochenenden etwas los ist, wann betreute Besichtigungen mit Führungen angeboten werden.

SO KOMMEN SIE HIN:
Von Piringsdorf kommend, bei der Ortseinfahrt von Unterrabnitz über die Holzbogenbrücke fahren. 900 Meter sind es noch. Beim Sportplatz rechts, dann links abbiegen und den Hügel hinauffahren. Den Schildern folgen.

Quellen/Literatur: VEREIN Freilichtmuseum Frühmittelalterdorf Unterrabnitz, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , 02616/8877 • Interview mit dem wissenschaftlichen Leiter, Mag. Wolfgang Lobisser, vom Vienna Institute for Archaeological Science, VIAS. 01/427 72-2401 + 0676/730 98 37 Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

Aktualisiert ( Samstag, 03. Mai 2008 um 11:47 )
 

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